Röttenbach zeigte sich von seiner besten Seite. Beim Neujahrsempfang 2016 stellte Bürgermeister Ludwig Wahl seine Kommune als engagiert, prosperierend, attraktiv für Neuzuzügler und sozial dar. Aber auch ein Dorf, das die Augen nicht vor Ungleichheit und Ungerechtigkeit in der Welt verschließt.

 

Diese Haltung wird ab sofort auch an den Ortsschildern dokumentiert. „Wir sind eine Fairtrade-Gemeinde“ erfahren Fremde wie Einheimische beim Ankommen. Manfred Holz als Ehrenbotschafter der Fairtrade Bewegung war am Donnerstagabend in die Lohmühlhalle gekommen, um der Gemeinde das Fairtrade-Gütesiegel nebst Urkunde zu überbringen.

 

 

Dass es dazu kommen konnte, „ist nicht ganz einfach gewesen“, sagte Wahl. Maßgeblichen Anteil an der Erfüllung der Kriterien hätten Röttenbacher Geschäfte und Gaststätten, soziale Einrichtungen, Kirchen und Vereine, die sich mit einer eigens ins Leben gerufenen Steuergruppe zusammengetan hätten, sagte der Bürgermeister und dankte allen. Seit 1986 verkauft ein Aktionskreis in Röttenbach fair erzeugte und gehandelte Produkte. Momentan packen 50 Mitglieder mit an und erzielen einen Umsatz von 12 000 Euro pro Jahr. Mit verschiedenen Aktionen und Verkaufsveranstaltungen wird das Bewusstsein für einen fairen Kreislauf geweckt.

 

Aus der Rede von Manfred Holz (Ehrenbotschafter der Fairtrade Bewegung)

 

Ich freue mich sehr als Ehrenbotschafter von Fairtrade in dieser familienfreundlichen Gemeinde mit hoher Lebensqualität dieses Event Fairtrade Gemeinde zu feiern. Fairer Handel diese Idee setzte hier schon seit Jahren enorme Kräfte frei, aber auch jede Menge Kreativität in Gang, angefangen

 

in Rathaus bis hin zu Vereinen, Kirchengemeinden, Schulen, Betrieben und Geschäften. Sie sehen hier ist ein geballtes Engagement für den fairen Handel vorzufinden und ich bin sehr beeindruckt. Für die Auszeichnung Fairtrade Gemeinde sind weltweit die gestellten 5 Anforderungen recht hoch aber erfüllbar denn so einen Titel bekommen sie weder geschenkt noch für lau. Und ihre Kommune hat mit Bravour alle Kriterien bestens geschafft. Es brauchte Zeit bis wir Konsumenten das Gütesiegel nicht nur als gelegentliches Beruhigungsmittel für das eigene Gewissen verstanden. Fairer Handel lebt nur vom Handeln. Als reichste Industrienation stehen wir alle gemeinsam in der Pflicht unseren ganz konkreten Beitrag gegen die Armut zu leisten. Vor kurzem las ich einen sehr interessanten Spruch: wenn auf der Welt soviel geteilt würde wie bei Facebook dann gäbe es keine Armut mehr.

Absolut Spitze ist der faire Handel bei der A-Note: 83% der Deutschen kenne das fair Trade Siegel und 95% der Käufer halten dieses Siegel für vertrauenswürdig und bewerten die Qualität dieser Produkte gleich gut oder sogar besser als die Konventionellen. Kommen wir zur B-Note: hier könnte so mancher Wert noch besser sein. Etwa 3% Marktanteil haben die fairen Kaffeebohnen. Es ist schon interessant dass viele Kaffeetrinker teure Kaffeemaschinen besitzen aber billigen Kaffee trinken.

Fair Trade wächst 2014 in Deutschland um 26%; der Gesamtumsatz betrug 827 Millionen Euro. Ziel sind nun 1 Milliarde Gesamtumsatz und Herr Bürgermeister Wahl: da zählen wir ganz stark auf Röttenbach. Jeder Bundesbürger konsumierte im letzten Jahr faire 10 Euro mit jeder Menge Steigerung nach oben, Großbritannien mit 32 Euro und die Schweiz mit 57 Euro bleiben unangefochten Spitzenreiter. Deutschland ist aber erfreulicherweise seit Jahren weltweit der dynamischste fair Trade Markt. Fair Trade ist also eine Bewegung in Bewegung. Inzwischen gibt es in Deutschland fast keinen Laden mehr der kein fair Trade Produkt anbietet. Bundesweit bieten derzeit 310 Firmen mehr als 3000 Produkte in 800 Eine-Welt-Läden, in 42000 Geschäften und in über 20000 gastronomischen Betrieben an. Übrigens der Bio-Anteil beträgt 70%.

Kaffee ist das wichtigste Produkt gefolgt von Bananen und Blumen. Jede 4te Rose ist fair gehandelt und kann in 22000 Verkaufsstellen erworben werden. Deutschland ist hier Weltmarktführer. Kaufen sie also möglichst nur noch bio, fair, regional und saisonal denn mit dem Kauf von fair Trade Produkten geben sie keine Spende und kein Almosen sondern leisten einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen und bekämpfen somit eine der Fluchtursachen. Denn wir alle haben eine große gemeinsame Verantwortung dass diejenigen die uns täglich den Tisch decken auch selbst satt werden und das gilt natürlich auch für Deutschland. Fair ist also nicht billig einzukaufen wofür andere teuer bezahlen.

Fair Trade handelt als unabhängige Initiative nicht selbst mit Waren sondern vergibt sein Fairtrade Siegel für fair gehandelte Produkte. Jede gute Eine-Welt-Arbeit kann so zu einem festen Bestandteil einer Kommune werden und Röttenbach ist da schon richtig gut dabei. Zum Schluss noch die Top-Nachricht: ab heute spielt Röttenbach in der Championsleagzusammen mit London, Manchester, Rom, Paris, Kopenhagen Madrid und München. Denn diese Metropolen besitzen eine gleiche Urkunde wie sie heute an Röttenbach verliehen wird. Im Namen von Fairtrade danke ich und gratuliere recht herzlich zu diesem Titel. 2009 wurde Saarbrücken die erste Fairtrade Town gefolgt von Neuss. Seitdem wurden 393 weitere Städte, Gemeinden, Landkreise, Inseln und Stadtbezirke mit diesem begehrten Titel ausgezeichnet. Heute aber wird Röttenbach die 394zigste Fairtrade Gemeinde in Deutschland.